Buchbesprechung: Die Steinzeit

Geschichte einfach und handlungsorientiert:
Die Steinzeit

Autorin: Marisa Herzog
Verlag: Persen (Buxtehude)
Jahr: 2009
Preis: 20,90 €
ISBN: 978-3834433251




Das 102 Seiten starke Arbeitsheft für Schüler ist laut Umschlag für die 5. und 6. Klasse der Förderschule konzipiert. Aufbau und Inhalt lassen vermuten, dass es sich dabei um den Förderschwerpunkt Lernen handelt, somit natürlich auch außerhalbdieses Förderorts immer dann eingesetzt werden kann, wenn Lernschwierigkeiten von Schülern spezielle, auf ihre Bedürfnisse angepasste Materialien erfordern.

Die theoretische Einführung ist knapp gehalten. Wichtig ist der Hinweis, dass das Buch zwar durchaus von Kindern eigenständig bearbeitet werden kann, das Thema aber erst durch "eine Mischform von Inputs durch die Lehrperson im Klassenverband sowie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit" (4) wirklich ansprechend gestaltet werden kann. Eine eigentlich selbstverständliche Aussage, die jedoch so lange berechtigterweise niedergeschrieben werden darf, so lange es Lehrer gibt, die Unterricht rein auf Schulbuchbasis planen.
Das Arbeitsheft gliedert sich thematisch in vier Teile:
  1. Altsteinzeit
  2. Mittel- und Jungsteinzeit
  3. Gegenüberstellung der beiden Epochen
  4. Zusatzmaterialien
In der Regel werden die einzelnen thematischen Einheiten von kurzen Infotexten eingeleitet. Darauf folgen Aufgaben, bei denen die Schüler die Inhalte wiederholen oder in neue Zusammenhänge bringen. Es finden sich jedoch nicht nur schriftliche Aufgaben. Dem Titel des Buches gerecht werdend haben einige Aufgaben einen handlungsorientierten Charakter, so z.B. "Höhlenmalerei mit Erdfarben" (39), "Herstellung eines Steinzeit-Fladenbrot" (60) oder "Weben eines Stückes Stoff" (68). Diese Aufgabentypen sind jedoch deutlich in der Minderheit.
Der Schwierigkeitsgrad der schriftlichen Aufgaben ist sehr unterschiedlich. So finden sich vergleichsweise leichte Zuordnungsübungen, Wörterpuzzle oder Lückentexte. Es gibt auch eher schwere Übungen wie Zuordnungen auf dem Zeitstrahl. Unter Berücksichtigung der potentiellen Lernschwierigkeiten der Zielgruppe dürften solche Aufgaben, die die Kenntnisse und den Umgang mit sehr großen Zahlen voraussetzen (3.000.000 v. Chr.) für viele Schüler eine enorme Herausforderung darstellen.

Die Infortexte sind von fachlicher Seite aus meist korrekt. Es gibt jedoch einige Behauptungen, die geschichtswissenschaftlich nicht wirklich gesichert sind, so z.B. im Kapitel "Das Leben als Jäger und Sammler". Dort heißt es:
"Obwohl diese Jagd sehr gefährlich war, waren auch Kinder dabei. Diese durften sich zwar noch nicht an der Jagd beteiligen, doch sollten sie auf diese Art von den Erwachsenen das Handwerk gründlich lernen, um später ebenso gute Jäger zu werden." (32)
Es ist sehr fraglich, ob es dieses konkrete Wissen über die Altsteinzeit wirklich gibt.

Zusammenfassend fällt jedoch positiv auf, dass das Buch sehr zielgruppengerecht aufbereitet ist: Der Schriftgrad ist groß, die einzelnen Seiten sind nicht mit Bildern und Texten überfrachtet. Sprachlich sind die Texte einfach und ansprechend gehalten. Die Sätze sind nicht zu lang, die Informationen nicht zu verwirrend. Darüber hinaus findet sich eine gelungene Mischung aus kognitiv ansprechenden Aufgaben und motovierenden spielerischen Übungen. Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass "Die Steinzeit" von Marisa Herzog wirklich eines der sehr wenigen - vielleicht sogar das bislang einzige - Arbeitsbücher ist, die im Kontext "Historisches Lernen und sonderpädagogischer Förderbedarf" problemlos eingesetzt werden können.
Sebastian Barsch

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